Saatgutvermehrung der Landsorten

Die gesammelten Landsorten aus Tirol und Südtirol sind in der Tiroler und der Südtiroler Genbank gesichert. Das heißt, dass Saatgut in kleinen Mengen unter kontrollierten Bedingungen (niedrige Temperatur und geringer Wassergehalt) gelagert wird. Vor Beginn der Untersuchungen muss zunächst das Saatgut der zu untersuchenden Landsorten vermehrt werden. Dieser Schritt kann je nach Getreideart unterschiedlich aufwändig sein: Dinkelsorten verkreuzen sich nicht untereinander (Selbstbefruchter) und können deshalb nebeneinander am selben Standort vermehrt werden. Bei Roggen als Fremdbefruchter hingegen, muss eine Kreuzung der verschiedenen Sorten durch Isolierung verhindert werden.

Agronomische Charakterisierung

Die Feldversuche zur agronomischen Charakterisierung der Dinkel- und Roggen-Landsorten werden an vier unterschiedlichen Standorten in Tirol und Südtirol durchgeführt. Eine Auswahl an modernen Sorten (Zuchtsorten) wird als Referenz mitgeprüft. Verschiedene agronomische Merkmale, die für den Anbau- und Wirtschaftlichkeitserfolg der Landsorten ausschlaggebend sind (z.B. Auswinterung, Ertragskomponenten, Standfestigkeit, Wuchshöhe, Ausfallneigung), werden anhand eines wissenschaftlichen Untersuchungsprotokolls erhoben.

Charakterisierung der Krankheitsanfälligkeit

Die Anfälligkeit der Dinkel- und Roggen-Landsorten gegen im Getreideanbau häufig auftretenden Pilzkrankheiten (Braunrost, Schwarzrost, Schneeschimmel, Septoria, Fusarien) wird unter kontrollierten Bedingungen im Gewächshaus untersucht. Sortenunterschiede bezüglich des Auftretens von Mutterkorn bei Roggen und Steinbrand bei Dinkel werden am Erntegut der Feldversuche erhoben.

Inhaltsstoffliche, backtechnologische und sensorische Charakterisierung

Die Qualität der künftigen Backwaren ist ein weiterer Schwerpunkt des Projektes. Am Erntegut werden Inhaltsstoffe untersucht, die entweder für die Ernährung oder für den Backprozess wichtig sind (z.B. Asparaginsäure, Proteingehalt, Pentosane, Phenolcarbonsäuren, Fallzahl, Hektolitergewicht, Amylogramm, Feuchtklebergehalt, Glutenindex). Um die Frage zu klären, ob Landsorten auch besondere sensorische Eigenschaften (Geschmack, Aroma, Teigkonsistenz) zu bieten haben, werden sie anschließend durch ein erfahrenes Prüferteam charakterisiert.

Verbreitung der Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projektes werden für die Erstellung eines Landsorten-Kataloges verwendet. Feldworkshops an den Versuchsstandorten und die Ausrichtung des Ersten Tiroler & Südtiroler Getreidetages dienen der zusätzlichen Verbreitung der Ergebnisse.